Störche in Schleswig-Holstein

Der Weißstorch ist ein so genannter Kulturfolger. Sein typischer Lebensraum in Deutschland und anderen Teilen Mittel- und Westeuropas sind extensiv bewirtschaftete landwirtschaftliche Flächen. Er mag auch belebte Plätze: Die Nähe von Menschen hält ihn nicht vom Nisten ab. Im Gegenteil: Wie man in vielen Dörfern sehen kann, werden an ruhigen Orten zur Verfügung gestellte Nistmöglichkeiten oft nicht genutzt.

Im Westküstenpark überwintern jedes Jahr rund ein Dutzend Weißstörche aus ganz Schleswig-Holstein.

Der Weißstorch gilt weltweit als nicht gefährdet. Jedoch reichen die Bruterfolge in vielen Regionen nicht aus, um die natürlichen Verluste auszugleichen. Er leidet unter den Auswirkungen der intensiven Landwirtschaft und der damit verbundenen Trockenlegung von Feuchtgebieten in den Brutgebieten. Neben dem Verlust von Lebensraum droht dem Weißstorch auch während des Zuges Gefahr, da er in einigen Ländern gejagt wird. Außerdem sterben immer wieder Weißstörche, die mit Windkraftanlagen oder Überlandstromleitungen kollidieren. In Südeuropa und Nordafrika kommt der Weißstorch auch in Trockengebieten vor.

Der Storch ist kein Jäger, sondern ein Sammler. Dank seiner langen Beine kann er bei der Suche nach Futter durch tiefes Wasser waten oder durch hohes Gras schreiten. Der lange Hals ermöglicht es ihm, seine Beute im Vorübergehen zu schnappen. Dabei reagiert er auf kleinste Bewegungen. Bei der Nahrungsauswahl ist der Storch nicht wählerisch. Er frisst alles, was er ergattern kann. So stehen auf seinem Speiseplan unter anderem Regenwürmer, Kaulquappen, Frösche, Kröten, Ringelnattern, Eidechsen, Insekten, Mäuse, Ratten, Fische – auch aus dem Wattenmeer – sowie Eier und Küken anderer Vögel, aber auch Aas. Größere Tiere werden erst mit dem Schnabel getötet und dann mit dem Kopf voran gefressen.

Kleine Störche sind nach dem Schlüpfen so groß wie eine halbe Faust und wiegen 70 bis 80 Gramm. Das ändert sich jedoch schnell, denn die Küken werden in den ersten Tagen alle zwei bis drei Stunden gefüttert.

Dabei vertilgen sie anfangs täglich bis zu 60 Prozent ihres Körpergewichts. Zunächst bekommen sie nur Insekten und Würmer. Sobald ihr Schnabel groß genug ist, um Mäuse und Frösche zu schlucken, schleppen die Eltern auch die in ihrem Kropf heran. Dabei gehen die Elternvögel im ersten Monat abwechselnd auf die Jagd, weil einer immer am Nest bleibt und Wache hält. Die Futtersuche ist harte Arbeit, denn ein junges Storchenküken benötigt zum Sattwerden täglich rund ein Pfund Mäuse, Insekten, Frösche oder Regenwürmer. Um ausreichend Nahrung für sich und seinen Nachwuchs zu ergattern, braucht ein Storchenpaar rund 200 Hektar landwirtschaftlich nicht genutztes, feuchtes Grünland in der Nähe seines Horstes.

Nach drei bis vier Wochen beginnt der Storchennachwuchs, seine Flugmuskulatur zu trainieren. Er stellt sich im Nest auf und schlägt mit ausgebreiteten Flügeln in den Wind. Dabei springt er immer wieder in die Höhe und lässt sich vom Wind tragen, ohne jedoch abzuheben, denn die Flugfedern sind noch nicht ausgenbildet. Der junge Storch hat nach sieben Wochen etwa die Größe seiner Eltern erreicht; zwei Wochen später wird er flügge und beginnt mit den ersten Flugversuchen. Im Alter von drei Monaten ist der junge Storch von seinen Eltern unabhängig.

Der Weißstorch ist mit seinen langen roten Beine und dem spitzen roten Schnabel ein auffälliger Vogel. Dabei unterscheidet sich das Männchen hauptsächlich durch einen längeren und kräftigeren Schnabel von dem Weibchen. Männchen und Weibchen sind sind nur sehr schwer zu unterscheiden. Beim Flug streckt er seinen langen Hals weit nach vorn. Die Jungvögel sind nur während der ersten Wochen durch ihren schwarzen Schnabel und die braunen Beine von den Altvögeln zu unterscheiden. Weißstörche haben eine Lebenserwartung von durchschnittliche acht bis zehn Jahren.

Charakteristisch für den Weißstorch ist das Klappern, mit dem die Störche sich sowohl gegenseitig begrüßen als auch Feinde vom Nest fernhalten. Beim Klappern biegt der Storch Hals und Kopf nach hinten, bis der Scheitel den Rücken berührt. Häufig wird das Klappern von einer Art Fauchen begleitet.

Auf nach Afrika: Stelldichein der Störche

Ein großartiger Anblick bietet sich derzeit am Rand von St. Peter-Ording: Dort sammeln sich viele Störche für den Weiterzug nach Afrika. Generell ist die Eiderstedts Westen bei Zugvögeln beliebt.

Wenn sich die Störche und die Kiebitze sammeln, dann geht der Sommer seinem Ende entgegen. Ein beliebter Sammelplatz für Meister Adebar ist eine Fenne am Ortseingang von St. Peter-Ording im Bereich der Wittendüner Allee. Dort tummeln sich bis zu 50 Störche. Es sind vor allem die Jungen aus dem Westküstenpark, die sich dort sammeln und auf den Weg nach Süden vorbereiten. Ab und zu stößt noch einmal ein Altvogel dazu, aber nur kurz. Denn er verbringt den Winter in dem Haus- und Wildtierpark. Die Jungstörche aber folgen der Storchenuhr: auf nach Süden.

aus Husumer Nachrichten / hjr

 

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Weißstörche Steckbrief

Engl.: The White Stork
Franz.: La cigogne blanche
1984 und 1994 Vogel des Jahres

Größe: bis 110 cm

Spannweite: bis 220 cm Spannweite

Gewicht: bis 4,5 Kilogramm

Lebensalter: bis 35 Jahre

Farbe: Mit Ausnahme der schwarzen Schwungfedern ist das Federkleid rein weiß. Schnabel und Beine sind rot.

Ernährung: Auf keine Nahrung spezialisiert. Unter anderem frisst er Regenwürmer, Kaulquappen, Frösche, Kröten, Ringelnattern, Eidechsen, Insekten, Mäuse, Ratten, Fische – auch aus dem Wattenmeer, Eier und Küken anderer Vögel, und auch Aas

Brutdauer: Meistens werden drei bis fünf, selten ein bis sieben Eier gelegt. Die Eier werden 30 bis 32 Tage von beiden Partnern bebrütet.

Anzahl der Jungen: Die Jungen sind untereinander friedlich, so dass oft die gesamte Brut durchgebracht werden kann. Nach 70 bis 80 Tagen sind die Jungstörche flügge.

Bildergalerie

Storch im Tierpark Westküstenpark in St. Peter Ording (Foto: Frank Specht)
Tierpark Westküstenpark Storch
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